Bezahlbarer ÖV dank Produktionskonzept
Bezahlbarer ÖV dank Produktionskonzept
Die DNA von Thurbo
In Sachen Kosten ist Thurbo auch 2024 der Benchmark im Regionalverkehr, unter anderem aufgrund des Produktionskonzepts. Die bedarfsgerechte Bestückung der Züge trägt entscheidend zur Energie- und Kosteneffizienz und einem bezahlbaren ÖV bei.
Über 100 Mal am Tag ändert sich die Formation eines Zuges. Das gezielte Hinzufügen oder Wegnehmen eines Wagens – im Fachjargon als Stärken und Schwächen bezeichnet – ist wichtiger Bestandteil des Produktionskonzepts. Mit der bedarfsgerechten Bestückung der Züge reagiert Thurbo auf die Nachfrage und schwankende Frequenzen im Tages- und Wochenverlauf. Dabei gilt es immer abzuwägen, welche Anpassung den grössten Mehrwert bringt. Ruedi Sammer, Leiter Planung, erklärt: «Für das Stärken und Schwächen braucht es immer einen Ort, ein Zeitfenster und Personal. Bewegen wir einen Zug mit zwei gekuppelten Fahrzeugen, brauchen wir einen Lokführer. Sobald die Wagen entkoppelt werden, braucht es zwei Lokführer.» Wird auf einer Linie bei jedem zweiten Bahnhof gestärkt oder geschwächt, reduzieren sich wohl die Kosten beim Fahrzeug und für die Gleisnutzungsgebühren. Im Gegenzug steigen die Personalkosten.
Verzahntes Miteinander
Fahrplan, Infrastruktur, Personal, Nachfrage: Alles ist eng miteinander verzahnt und will im Produktionskonzept geschickt ausbalanciert sein. Infrastruktur und betriebliche Ressourcen kostenbewusst planen und nutzen, darauf ist man bei Thurbo stolz. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass Ruedi Sammer das Produktionskonzept als «DNA von Thurbo» bezeichnet. Fabian Schrenk, Leiter Finanzen, betont dabei: «Das Produktionskonzept macht Thurbo effizient. Doch diese Effizienz ist nicht einfach gegeben. An dieser Kernaufgabe arbeiten wir jeden Tag. Gleichzeitig geschieht die Kostenführerschaft nicht auf dem Buckel des Personals.»

«Fahrzeugeinsatz, Personaleinsatz, Trassenkosten – hier das Gesamtoptimum zu finden, ist eine spannende Aufgabe und immer auch ein Aushandlungsprozess.»
Fabian Schrenk, Bereichsleiter Finanzen bei Thurbo
Was das Produktionskonzept auszeichnet, sind mitunter relativ wenig Leer-, Warte- und Wendezeiten. Oder anders gesagt: Das Personal arbeitet nutzbar für die Kund:innen. DerenBedürfnisse stehen im Zentrum. Um ihnen den besten Service zu bieten und die Nachfrage zuverlässig zu ermitteln, setzt Thurbo auf Daten aus Zählsystemen, statistischen Hochrechnungen und Nachfragemodellierungen sowie auf Erfahrungswerte.
Spagat zwischen Stadt und Land
Das Produktionskonzept ist optimal für das Thurbo Einzugsgebiet. Im primär ländlichen Raum leben nicht so viele Menschen. Gleichzeitig gibt es auf den Linien immer wieder mal Peaks, zum Beispiel aufgrund von Schülerverkehr. Ausserdem fährt Thurbo Städte mit wichtiger Zentrumsfunktion an, wie St.Gallen oder Winterthur.

Das An- und Abhängen von Zugwagons wird im Bahnjargon stärken und schwächen genannt. Bild: Thurbo AG
Die ländlichen und urbanen Zonen gleichzeitig zu bewirtschaften, ist ein Spagat. Das nachfrageorientierte Produktionskonzept stellt die Kapazitäten für den Pendlerverkehr sicher. Sobald die Linien durch ländliche Gebiete führen und die Anzahl der Fahrgäste abnimmt, schwächt Thurbo und fährt mit einer kleineren Formation weiter. Der Zug wird leichter, braucht weniger Energie und kostet somit weniger.
Mit unvorhersehbaren Situationen leben
Trotz weitsichtiger Planung können unvorhersehbare Situationen eintreffen. Wenn an einem Sonntagnachmittag ein Gewitter überrascht, alle mit dem Velo unterwegs sind und gleichzeitig nach Hause wollen, ist der Zug komplett voll. Auch wenn das nicht ideal ist, sind sich Sammer und Schrenk einig: «Wir können nicht alles planen und wollen nicht alles berücksichtigen. Wir haben auch nicht für alles Reserven.» Eine absolute Absicherung würde die Kosten automatisch nach oben treiben.

«Thurbo hat tiefe Kosten pro Kilometer und erbringt die Dienstleistung zu einer guten Qualität.»
Stefan Thalmann, Leiter Öffentlicher Verkehr beim Kanton Thurgau
Die Kostensensibilität schätzt Thalmann besonders. Denn neben dem Produktionskonzept zielt bei Thurbo auch sonst vieles auf Effizienz und tiefe Kosten. «Die Fahrzeuge sind sehr günstig. Thurbo hat zudem eine schlanke Organisationsstruktur mit einerkleinen Verwaltung. Sie schauen sehr genau darauf, was sie selbst machen und was sie einkaufen. Die ganze Organisation ist auf Kostenoptimierung getrimmt. Das zeichnet Thurbo aus.»
Pluspunkt Einheitsflotte
Die Fahrzeuge sind nicht nur kostengünstig, sondern auch intensiv im Einsatz. Im Schnitt legt ein Wagen 215'000 Kilometer pro Jahr zurück. Letztlich ist auch das Instandhaltungskonzept ein wichtiges Puzzleteil im Produktionskonzept. Jeder Zug läuft planmässig alle 30 Tage im kommerziellen Betrieb in den Unterhalt nach Oberwinterthur.
«Jede Entscheidung hat Auswirkungen auf das Gesamtsystem. Die wichtigste Frage ist immer, wie wir für die Kund:innen den besten Nutzen schaffen.»
Ruedi Sammer, Leiter Planung bei Thurbo
Die Fahrzeuge gehen ausserhalb der Hauptverkehrszeit oder in der Nacht in den Unterhalt. Weitere Pluspunkte: Thurbo hat eine Einheitsflotte. Zudem wird die Instandhaltung von einem Team geleistet, das auf die Flotte spezialisiert ist und die Thurbo Arbeitsweise verinnerlicht hat. Am Fahrzeug wird gemacht, was nötig ist. «Natürlich machen wir auch präventiven Unterhalt, es wird nicht auf Abbruch gefahren», sagt Ruedi Sammer. «Aber wenn ein Problem entsteht, dann wird dieses behoben und es werden nicht noch 27 andere Dinge angeschaut.» Die KPI, die daraus entsteht, ist gemäss Schrenk super. «Die Instandhaltungskosten pro Kilometer und pro Fahrzeug sind bei uns enorm günstig. Aber auch die Zuverlässigkeit der Flotte ist so gut wie bei keiner anderen Flotte im ganzen SBB-Konzern.»
Mit dieser Fahrzeugflotte erreichte Thurbo im Berichtsjahr 2024 wiederum eine hohe Qualität. Die tiefen Fahrzeugkosten, die gute Auslastung und das effiziente Produktionskonzept werden auch künftig ausschlaggebend sein, damit Thurbo ÖV-Leistungen günstiger offerieren und anbieten kann als andere Bahnen. Das wiederum ermöglicht einen bezahlbaren Regionalverkehr – für die Besteller und die Fahrgäste.